Erstmal auschlafen! Keine Maid heute, die frueh klingelt. Wenn das fuer einige merkwuerdig klingt, dass ich mich darueber beschwere das jemand klingelt der fuer mich die Wohnung saubermacht - so hab ich am Anfang auch gedacht. Aber man gewoehnt sich halt sehr schnell an alles, hatte ich das schon erwaehnt. Ausserdem schiebt sie sowieso den Dreck nur hin und her, sauber sieht echt anders aus, aber das ist eine andere Geschichte. Wir warfen heute mal einen ersten Blick auf den Strand von Anjuna, der sich dann doch als beschwimmbarer herausstellte als erwartet. Es war jedenfalls viel netter als was in Alibaug oder Kihim Beach zu Gesicht bekommen hatten. Als erstes fielen die vielen Auslaender auf. Das war schon fast unglaublich, die Inder waren nahezu in der Minderheit!
Anjuna ist ein ziemlich kleines Kuestendorf, was eigentlich nur vom Tourismus lebt, soweit ich das sehen konnte. Das heisst Gaestehaeuser, Restaurants und eine Handvoll Clubs, Taxifahrer und Motorradverleiher. Letztere erfreuten sich grosser Beliebtheit, so dass jedes zweite Vehikel auf der Strasse eine Royal Enfield war - eins der schaetzungsweise acht Motorradmodelle, die es in Indien gibt. Dafuer hat dann aber auch wirklich JEDER eins von diesen acht. Hatte ich mich eigentlich schon zum Thema “Vielfalt” ausgelassen? Ich glaube nicht. Also los: Es wird einem immer vorgeschwaermt, wie vielfaeltig Indien doch ist. Ich weiss nicht genau, ob das an meiner europaeischen Mentalitaet liegt, oder ob das eine objektive Einschaetzung ist (so wie man immer denkt, dass alle Chinesen gleich aussehen), aber ich bin in vielen Punkten vom Gegenteil ueberzeugt. Motorraeder sind da ein gutes Beispiel. Auf jedem Motorrad steht hier entweder “pulsar” (eine bajaj-Marke, wenn ich mich nicht irre, die stellen auch die Rickshaws her), “Hero Honda” oder Royal Enfield. So hat hier jeder der grossen Motorradhersteller (geschaetzte acht, jeweils in Kooperation mit einer indischen Firma, weil das nur so erlaubt ist, auslaendische Fahrzeuge in Indien zu verkaufen) genau ein Modell am Markt. Waehrend man also in Europa kaum zwei Motorraeder finden, die sich gleichen, sieht man in GANZ INDIEN nur diese acht Motorraeder! Eine Milliarde Leute! Acht Mottorradtypen! Mit Autos verhaelt es sich aehnlich, aber dort ist die Vielfalt etwas groesser. Wenn man auf der Strasse langgeht faellt einem zum aeusseren Erscheinungsbilder der maennlichen Inder das gleiche auf. Fast jeder hat die gleiche Kurzhaarfrisur, einen Schnauzbart, ein olles Hemd und eine Anzughose sowie Sandalen an. Die Farbunterschiede sind aufgrund des Keims irgendwann nicht mehr auszumachen. Ueber das Essen hatte ich mich definitiv schon ausgelassen. Auch die Hindifilme sind fest in der Hand von einer Handvoll Schauspielern, die dafuer dann in jedem der Filme oder der Werbung zu sehen sind (Und dass sind viele). Aber ich bin abgeschwiffen, zurueck zum Thema.
Die Touristen fahren also ohne Helm mit einer Royal Enfield (interessant ist, wie oft in dem Artikel »Indien« auftaucht) durch die Strassen des Kuestenstaedtchens, das Hemd flattert im Wind, die Sonne spiegelt sich auf der Sonnenbrille - wenn da mal nicht Miami-Feeling aufkommt!
Am bekanntesten ist der Goa market in Anjuna, ein wirklich riesiger Basar mit hunderten von Haendlern. Der ganze Markt ist eine auf einem Wiese errichtetes Zeltdorf von Haendlern und in unterschiedliche “Viertel” unterteilt, je nach verkauften Guetern. Im Prinzip kann man dort alles kaufen, was das Herz begehrt und es war eine gute Gelegenheit, um die Feilsch-Kenntnisse wieder mal ein bisschen zu trainieren. Urspruenglich entstand der ganze Markt als Verkaufstreffpunkt von travellern aus verschiedenen Laendern und ist seitdem gewachsen. Alles laeuft (fuer indische Verhaeltnisse) ziemlich relaxt ab, wozu wahrscheinlich im Wesentlichen beitraegt, dass der Markt in Goa liegt
Ach ja, wenn ich schreibe man kann alles da kaufen, dann kommt das der Wahrheit ziemlich nah. Man kann keine paar hundert Meter laufen, ohne dass man mindest einmal Gras/Haschisch/Marihuana angeboten bekommt, aber auch Crack, LSD und Kokain 
Gegen Mittag kam dann der erste Schwung Bombay-Trainees mit dem Bus an. Sie hatten 16 Stunden Fahrt hinter sich fuer eine Strecke von ca. 800 Kilometern. Beeindruckend. Das Gaestehaus, in welchem wir untergebracht waren hatte eigentlich nur eine relativ begrenzte Kapazitaet, aber da sich am Schluss doch so viele gemeldet hatten, wurde auf dem Dach des Haupthauses ein Matratzenlager eingerichtet und nochmal ueberdacht, so dass am Ende auch wirklich alle Platz fanden. Die Gastwirtin war sehr nett & kuemmerte sich, dass jeder einen Platz zum Schlafen fand, aber wir sorgten ja auch fuer ihre gesamten Jahreseinkuenfte 
Abends wollten wir dann in ein vom Lonely Planet empfohlenes Restaurant und gingen doch glatt einem Nachahmer auf den Leim. Sobald ein sehr gutes Restaurant bekannt wird, entstehen in dessen Naehe eine Menge (schlechter) mit dem gleichen oder einem aehnlichen Namen (Die absolute Hoehe in dieser Hinsicht war eine gute Strassenbar in Delhi namens Lassiwala, wo sich direkt daneben zwei weitere ansiedelten, ebenfalls mit dem Namen Lassiwala, so dass man am Ende gar nicht mehr unterscheiden konnte, wer nun original war). In unserem Fall hiess das 90 Minuten aufs Essen warten, was entscheidend zum wachsenden Unmut beitrug, zumal wir so gut wie die einzigen waren. Ausserdem gabs kostenlos einen 45minuetigen Wandermarsch, weil die Leute, die wir unterwegs fragten uns natuerlich alle zu dem weit entfernten Kopie-Restaurant schickten. Zu bloed halt, wenn man keine richtige Karte hat. Aber so kamen wir wenigstens an die frische Luft